KUNST

In einem sehr zeit- und arbeitsaufwändigen Arbeitsprozess entstehen meine - teils reliefartigen - Bilder auf Basis von hochwertigen Naturmaterialien wie Marmormehl und Freskokalk. Diese werden nach einem intensiven Trocknungsprozess mit zahlreichen Lasuren aus Kaseinfarbe, Eitempera und/ oder Tuscheschüttungen malerisch angelegt. Atmosphärisch dichte Werke sind das Ergebnis. Daneben stehen feinstoffliche, beruhigend weiße Bilder, deren Oberfläche aus feinem Freskokalk gefertigt sind; ein kühles van-Dyck-Braun ist hier meist das Pigment der Wahl.  

Emotionen zu wecken, Assoziationen von Figur und Landschaft hervorzurufen, geheimnisvoll und unklar in der Bildsprache zu bleiben und eigene Visionen beim Betrachter auszulösen - das sind meine Anliegen.

 

 

 

Dabei geht es mir neben der Bildaussage um Struktur und eine haptische Anmutung meiner Arbeiten, die einerseits objekthaft, andererseits von einer schlichten Fein- und Zurückgenommenheit sind. Der sorgfältige Umgang mit den Materialien und die Sichtbarmachung von Struktur hat für mich den gleichen Stellenwert wie die thematische Aussage. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. 

 

Seit nunmehr 20 Jahren entwickle ich meine ganz eigene Sprache und künstlerische Ausdrucksform in der Malerei, die in der informellen Kunst gegründet ist. Dahmen, Schuhmacher und Tàpies sind große Vorbilder, die mich inspirier(t)en. 

Claudia Söding, 2019 

 

Claudia Söding verwendet lasierende Farbaufträge, die transparent oder deckend sind und erzielt somit Tiefe im Bild. Mit der Reduktion auf wenige, aufeinander abgestimmten Farbtöne nähert sie sich der monochromen Malerei, um sie durch wohlkalkulierte Kontraste wieder zu brechen. Der verwendeten Oberflächenbehandlung ist die Farbigkeit gleichgewichtig.

2013 hat sie begonnen, in dieser Technik zu arbeiten und wird immer feinstofflicher. Dabei ist sie von der Marmormehl-spachtelmasse, die im Trocknungsprozess zu grober Rissbildung führt zum feinen Freskokalk mit zarten Rissen übergegangen.

Eigenwillig und expressiv entwickelt Claudia Söding die reine Malerei weiter. Mit Andeutungen - nicht explizit. Sie legt sich nicht fest auf reine Abstraktion oder reine figürliche Malerei. Die Wirkung von Stofflichkeit interessiert sie - und da ist sie ganz nah dran an ihren Vorbildern Emil Schumacher, Karl Fred Dahmen, aber auch an dem Katalanen Antoni Tàpies. Die Eigenwertigkeit von Farbe und Farbmaterie, von haptischer Malsubstanz und leuchtender, konstrastreicher Farbigkeit, rückt sie in die Nähe von Informel und Abstraktem Expressionismus.

 

Ihre Kunst bewegt sich zwischen den Polen von Formauflösung und Formwerdung, von Ungegenständlichem und Figürlichen.

Somit wird die Malerei von Claudia Söding zu einem sinnlichen Phänomen, dass sich im Spannungsfeld von Emotionalität und klarer Komposition entfaltet."

ANDERE STIMMEN
 

Textzusammenstellung aus der Laudatio zur Ausstellungseröffnung „Zwischenfelder“, Oktober 2017

von Julia Reichelt M.A., Leitung Kunstforum der TU-Darmstadt

 

"Claudia Söding hat klassische Malerei studiert, was man auch am Bildaufbau erkennen kann: Denn trotz aller Dynamik folgen die Bilder einer stringenten Komposition.  Schon die Art, wie Claudia Söding arbeitet, ist eigenwillig und vielseitig. Sie malt nicht nur mit Pinsel und Farbe, sondern sie arbeitet mit Rakel, Marmormehl oder feinem Freskokalk. Sie finden bei den Bildern hier keinen dicken Farbauftrag, sondern vielerlei lasierende Schichten, den Einsatz von Pigmenten, Kohle und Pastellkreiden. 

Das Thema von Claudia Söding ist Struktur. Sie hat eine Vorliebe für morbide Oberflächen wie moosbewachsene, verfallene Mauern, oder abgeplatzter Putz an den Wänden. Auch ihre Malerei ist sehr haptisch und ahmt die Natur nach. Das Figürliche, die Natur und die Welt als Lebens- und Kunstraum bestimmen die Inhalte ihrer Bilder. Parallelwelten entstehen innerhalb des Bildes: Abstraktes und Figürliches, Räume und Dinge deutet sie an. Die Sinnlichkeit der haptischen Struktur der Bilder wird durch die malerischen Ausführung fortgeführt.

Runde Elemente, Industrieanmutung. Transparenz, Formen, die sie intuitiv verwendet sind erkennbar. Expressiv, aber klar komponiert. Das Lebhafte, Temperamentvolle sieht man auch in der gestischen Bewegung des Pinselduktus und an den Laufspuren. Es schlägt sich wie eine Choreographie in den Bildern nieder. Immer wieder sind in den vordergründig abstrakten Gemälden figürliche und narrative Elemente erkennbar – wenn auch teils auf den zweiten Blick.